Brief an die Frau

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Im Jahr 2010 verfasste ich den "Brief an die Frau". Der Brief ist nicht persönlich an eine bestimmte Frau gerichtet, sondern an die Frau als Archetyp. Ich habe im Laufe meiner Erfahrungen festgestellt, dass es nicht nur nützlich zu wissen ist, was man will; es ist mindestens ebenso wichtig, dass man weiss, was man im persönlichen Bereich einer vertrauten Beziehung nicht mit dabei haben kann/möchte. Die Liebe beinhaltet auch die Liebe zu sich selbst, aus der alles Andere hervorgeht. Jeder hat individuelle Vorlieben und Dinge; Dinge, die er im persönlichen Bereich akzeptieren kann und Dinge, mit denen er auf Dauer nicht kann. Weise ist der, der sich darüber im Klaren ist, bevor er sich in Beziehung einlässt.



Blumen für die Geliebte Frau





Frau, damit ich mit Dir sein kann, musst Du Dich selbst lieben, denn sonst müsste ich damit aufhören, mich selbst zu lieben, um mit Dir sein zu können.

Frau, wenn Du meinst, dass ich dafür da bin, Deine Sehnsüchte zu erfüllen, so muss ich Dich ent-täuschen. Es gibt keine wirklichen Sehnsüchte, eher Dein urweibliches Bestreben als Frau geliebt zu werden.

Frau, wenn Du mich für den Prinzen hältst, der Dich aus Deinem Turm befreit, Dich errettet und erlöst; so muss ich Dich ent-täuschen, denn Dich befreien, erretten und erlösen; das musst Du selbst tun.

Frau, wenn Du meinst, ich löse alle Deine Probleme, so muss ich Dich auch hier ent-täuschen. Deine Probleme lösen, das musst Du selbst tun; um Deiner Liebe zu Dir willen.

Frau, es ist vergebens, wenn Du versuchst, meine Liebe mit Deinem Körper zu erkaufen; denn unsere Körper werden von selbst zueinander finden, wenn die Liebe strömen kann.

Frau, wenn Du Dich um meinetwillen aufgibst, fehlt es an Liebe zu Dir selbst und Du hinderst Dich damit selbst daran, mit mir sein.

Frau, wenn Du mit mir sein willst, sei Du selbst, aber schau, dass dein Selbstsein es Dir nicht unmöglich macht, mit mir zu bleiben.

Frau, sei in Deiner Weiblichkeit, damit ich zu Dir in meiner Männlichkeit sein kann.

Frau, Du bist nicht Deine Sehnsucht, denn die Göttin in Dir ist frei davon.

Frau, ich weiß, was ich will und ich weiß, was ich nicht will; und das solltest Du für Dich ebenso wissen. Ich werde kompromisslos sein, in Bezug darauf, dass ich auf Dauer etwas ertrage, was mir nicht gut tut, nur um einen Teil von dem mit Dir zu leben, was ich mir wünsche. Ich kann nicht auf Dauer mit Dir zusammen sein, wenn Du rauchst, über die maßen trinkst und/oder Drogen nimmst, denn das würde bedeuten, dass es an Deiner Liebe zu Dir selbst fehlt. Ich werde von Dir fernbleiben müssen, wenn Du mich klammerst und wenn Du darauf aus bist, mich zu Deinem Willen verändern zu wollen. Das soll nicht heißen, dass ich Veränderungen gegenüber verschlossen bin, wenn sie meinem und unserem Wachstum dienen. Ich werde von Dir fernbleiben, wenn Du Dein Leben auf Dauer nicht im Griff hast.

Doch ich kann mit Dir zusammen sein, wenn Du in der Lage bist, meine Nähe und mein So-Sein anzunehmen, so wie es ist und so wie ich bin. Ich werde gern mit Dir sein, wenn Du die Schönheit, die Fülle und den Reichtum des Lebens begriffen hast um dies mit Dir zu teilen.

Frau, ich möchte Dich lieben, mit Dir zusammen leben, ohne dass Du Dich dabei selbst verlierst. Sei mit mir und fasse den Mut, Dich mit mir zusammen zu schließen. Du musst nicht dasselbe tun wie ich, aber es wäre schön, wenn Dich interessiert, was ich tue. Ich möchte, dass jeder seins macht und dass wir zusammen an gemeinsamen Projekten arbeiten können. Eigenen Raum haben und gemeinsamen Raum schaffen. Wenn der eine mal wankt, ist der Andere da, um aufzufangen. Wenn der eine mal krankt, ist der andere da, um ihn zu stützen. Wenn ich alleine auf Reisen bin, freue ich mich, wenn Du fragst, wie es mir geht und Du Dich um mich sorgst; so merke ich, dass Du mit mir bist.

Frau, sei angstfrei und erfreue Dich des Lebens mit mir, so wie ich es auch tue, denn die Zeit, die wir beide gemeinsam hier auf Erden haben, ist kostbar und jede Sekunde, die wir nicht miteinander erleben, ist unwiederbringlich.

Frau, wir, Mann und Frau, sind zwei völlig verschiedene Wesen, und doch ist es möglich, das Einige in den Zweien zu leben.




Anmerkung (16.1.2015): da ich wiederholt gefragt wurde, ob es auch einen "Brief an den Mann" gäbe; bzw. der "Brief an die Frau" auch im Umkehrsinn für Männer gelte, erkläre ich hierzu Folgendes:

Der "Brief an den Mann" würde sich inhaltlich im Großen und Ganzen nicht wesentlich vom "Brief an die Frau" unterscheiden. Ein wichtiger Punkt, der wirklich völlig differiert, ist in Bezug auf das Geliebtwerden. Das hat energetische Gründe in Bezug auf die unterschiedlichen energetischen Zustände von Mann und Frau. Das urweibliche Bestreben, da es im Kern Liebe ist, ist das Geliebtwerden. Das urmännliche Bestreben ist es, zu lieben. Das ist etwas, was ein männlicher Mensch, wenn er Mann werden will, lernen muss. Der Mann ist derjenige, der, wenn er wirklich Mann ist, in Bezug auf die Emotionalität der Frau einfach nur Stabilität gibt; die weibliche Emotionalität aushalten kann, wenn sie ins Ungleichgewicht gerät. Das kann er nur wirklich richtig, wenn er sich aus seiner Gier befreit und wirklich lieben lernt. Bei diesem "Getragenwerden" vom Mann kommen natürlich sofort die ersten Missverständnisse der Heutigen Frau auf, die kein männliches Wesen mehr kennt, das wirklich Mann ist. Das Getragenwerden durch den Echten Mann hat nichts mit Beherrschen oder Unterordnen zu tun; vielmehr mit Respekt und Liebe des Echten Mannes zur göttlichen Weiblichkeit. Denn im Kern ist Frau, wie gesagt, pure Liebe. Der Junge darf lernen, zu lieben. Das Mädchen darf lernen, kompromisslos die Liebe zu werden, die sie ist. Eine Echte Frau wird zu jemanden, der sie nicht erreicht, einfach sagen: "geh spielen, kleiner Junge!". Sie wird sich nicht von ihren eigenen Emotionen in Bezug auf ihn kompromittieren lassen, denn sie weiß, was sie will und sie weiß, was sie nicht will.



Anmerkung (9.3.2016): einige Lesende stolperten beim Lesen des Textes sehr über das von mir verwendete Wort "muss". Deshalb erkläre ich hierzu Folgendes:

Das Wort "muss" wird sehr oft mit Druck und Zwang verbunden. Die deutsche Sprache ist eine harte Sprache. Ich hab lange überlegt, ob ich die Wortwahl verändere, aber dann verliert sich der pragmatische Schwung meiner Aussagen.

Der Anfangssatz im Original: Frau, damit ich mit Dir sein kann, musst Du Dich selbst lieben, denn sonst müsste ich damit aufhören, mich selbst zu lieben, um mit Dir sein zu können.

Man könnte z.B. schreiben: Frau, damit ich mit Dir sein kann, liebe Dich selbst, sonst höre ich damit auf, mich selbst zu lieben, um mit Dir sein zu können. Das bringt einfach nicht ganz zum Ausdruck, was ich damit vermitteln möchte. Das Wort "muss" macht es klar. Es sagt aus, dass es um eine unausweichliche Anforderung geht, die auch Konsequenz nach sich zieht, welche nicht im Sinne des Angeforderten steht. Die unausweichliche Anforderung und anschließender Konsequenz heißt: "liebe Dich, damit ich Dich lieben kann, denn wenn Du nicht in der Lage bist, Dich selbst zu lieben, wäre die Konsequenz, dass ich, um trotzdem mit Dir sein zu können, ebenso mit der Liebe zu mir aufhören und das werde ich nicht tun". Warum? Weil in einer Beziehung die vollständigen Mann-und-Frau-Energien gefragt sind, um eine authentische, bewusste, liebevolle, in ganzer Grösse für beide zur lebendigen Erfahrung zu machen. Da haben Vater-Tochter-Szenen und Mutter-Sohn-Szenen einfach nichts mehr verloren. Die haben wir beide in vorherigen Beziehungen genügend ausgespielt. Dafür ist es wichtig, zu wissen, was es bedeutet, sich selbst zu lieben. Damit ist nicht Egoismus gemeint, sondern gesunde Liebe und Achtung zum eigenen Sein. Das ist die Grundlage aller Liebesfähigkeit.




An die Text-Kopierer: dieser Text und auch andere Textauszüge aus der Seelenflügel-Homepage unterliegen dem Urheberrecht. Gerne dürfen meine Texte für den privaten Gebrauch kopiert werden. Es ehrt mich.
Ich bedanke mich für den selbstverständlichen Respekt und Anstand, daß beim Kopieren folgender Quellverweis angebracht wird:

"(c) Christian Malzahn - seelenfluegel.net"

Vor allem ist es auf jeden Fall nett, mich vorher zu fragen. Gracias.






Text von Christian Malzahn




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